Das Wichtigste in Kürze
- Unter dem Sammelbegriff BKA-Trojaner liefen technisch sehr unterschiedliche Schadprogramme mit gemeinsamer Masche.
- Bekannte Ableger waren GVU-Trojaner, Bundespolizei-Varianten und regional angepasste Polizei-Locker.
- Manche Varianten waren reine Screenlocker, andere kombinierten die Sperrung mit Datendiebstahl oder Verschlüsselung.
- Die Übergänge zur modernen Krypto-Ransomware verliefen ab etwa 2013 fließend.
- Heutige Browser-Sperren und Fake-Support-Maschen knüpfen optisch direkt an diese Tradition an.
Typische Erscheinungsformen
- Gefälschte BKA-Meldungen mit Bundesadler-Optik
- GVU-Trojaner mit Logo der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen
- Polizei-Trojaner mit regional angepassten Logos einzelner Bundesländer
- Bundespolizei-Varianten mit angeblicher Sicherstellung des Geräts
- GEMA- oder Urheberrechts-Varianten mit Bezug zu Musik- und Filmtauschbörsen
- Browser-basierte Varianten, die nur ein Browserfenster sperren
Technische Unterschiede
Einige Varianten waren reine Screenlocker, die nach einem Neustart im abgesicherten Modus relativ einfach entfernt werden konnten. Andere kombinierten die Sperrung mit Zusatzfunktionen wie dem Auslesen von Zugangsdaten, dem Nachladen weiterer Schadsoftware oder dem Versuch, das Bootverhalten zu manipulieren.
Ab etwa 2013 tauchten Mischformen auf, die zusätzlich Dateien verschlüsselten - der Übergang vom klassischen BKA-Trojaner zur modernen Ransomware war damit fließend.
Erkennungsmerkmale unabhängig von der Variante
- Vollbild- oder Browser-Sperrung mit Behördenoptik
- Konkrete Geldforderung im niedrigen drei- bis vierstelligen Bereich
- Zahlung über anonyme Gutscheinkarten oder Kryptowährungen
- Drohung mit Strafverfolgung, Datenlöschung oder Veröffentlichung
- Anzeige der angeblichen IP-Adresse, Stadt oder Internetanbieter
Grobe Zeitachse der Varianten
- 2011 bis 2012: Erste Welle klassischer BKA-Trojaner mit Bundesadler-Optik und Ukash- oder Paysafecard-Forderungen
- 2012 bis 2013: GVU- und Bundespolizei-Varianten, regional angepasste Polizei-Logos einzelner Bundesländer
- 2013 bis 2014: Mischformen mit Dateiverschlüsselung, Beginn des Übergangs zur modernen Ransomware
- Ab 2014: Rückgang klassischer Screenlocker, parallel Aufstieg verschlüsselnder Ransomware wie CryptoLocker und Nachfolger
- Heute: Browser-basierte Police-Locker und Fake-Support-Maschen als direkte Erben der ursprünglichen Optik
Abgrenzung zu modernen Bedrohungen
Viele heute auftretende Browser-Sperren mit angeblichen Microsoft-Warnungen oder Behördenhinweisen sind technisch näher an einfacher Scareware als an den ursprünglichen BKA-Trojanern. Echte verschlüsselnde Ransomware verläuft dagegen meist deutlich unauffälliger und zeigt erst nach der Verschlüsselung eine Erpressernotiz.
Begriffliche Einordnung im Glossar: Screenlocker beschreibt die reine Bildschirmsperre, Scareware den Einschüchterungsmechanismus, Ransomware die übergeordnete Kategorie und Exfiltration den zusätzlichen Datendiebstahl moderner Angriffe.