Kurzfassung
- Angreifer stehlen Daten, bevor sie verschlüsseln
- Lösegeld wird sowohl für die Entschlüsselung als auch gegen die Veröffentlichung verlangt
- Backups schützen vor Datenverlust, nicht vor Veröffentlichung
- Meldepflichten nach DSGVO und Krisenkommunikation rücken in den Mittelpunkt
Wie ein Double-Extortion-Angriff typischerweise abläuft
- Initialer Zugang über Phishing, gestohlene Zugangsdaten oder ungepatchte Systeme
- Tage- bis wochenlange Erkundung im Netzwerk, Ausweitung der Rechte
- Identifikation sensibler Daten (Personal, Kunden, Verträge, Quellcode)
- Heimliche Exfiltration der Daten auf externe Speicher der Angreifer
- Sabotage erreichbarer Backups
- Verschlüsselung und Erpresserschreiben mit Doppelforderung
- Veröffentlichung von Beispieldaten auf Leak-Portalen, falls nicht gezahlt wird
Typische Szenarien
- Mittelständischer Betrieb: Produktion steht, gleichzeitig drohen Personaldaten im Leak-Portal
- Dienstleister: Kundendaten Dritter werden zum Druckmittel, Vertragsstrafen drohen
- Krankenhaus: Patientendaten erhöhen die Eskalationsstufe deutlich
- Kommune: Verwaltungsakten und Meldedaten als zusätzlicher Hebel
Warum Backups allein nicht reichen
Ein sauberer Restore stellt Systeme und Daten wieder her, holt aber kein einziges Dokument aus den Händen der Angreifer zurück. Reputation, Datenschutzmeldungen und vertragliche Pflichten gegenüber Kunden bleiben bestehen, unabhängig davon, ob die Wiederherstellung gelingt.
Konsequenzen für Vorbereitung und Reaktion
- Backups nach 3-2-1, mit unveränderbarer (immutable) Kopie - notwendig, aber nicht hinreichend
- Datenklassifizierung: wissen, welche Daten besonders sensibel sind
- Netzwerksegmentierung, MFA und Privilegienreduktion zur Erschwerung der Erkundung
- Erkennung von Exfiltration (ungewöhnliche Datenmengen, verdächtige Tools)
- Meldepflichten nach DSGVO Artikel 33 und ggf. NIS2 vorab juristisch klären
- Krisenkommunikation für Mitarbeitende, Kunden, Behörden und Presse vorbereiten
Im Vorfall
Im akuten Fall gilt: Eindämmen ohne Beweise zu zerstören, Krisenstab aktivieren, Geschäftsleitung, Datenschutz und Rechtsabteilung einbinden, spezialisierten DFIR-Dienstleister hinzuziehen. Eine geordnete Schritt-für-Schritt-Hilfe steht in der Incident-Response-Checkliste.
Wichtiger Hinweis
Diese Seite ersetzt keine juristische, datenschutzrechtliche oder forensische Beratung. Meldepflichten und vertragliche Folgen müssen im Einzelfall geprüft werden.